Yoga You

Seit knapp zwei Jahren kann man im tiefsten Herzen Palmas seine ganz persönliche Batterie aufladen und sich von Ballast befreien. Schauspielerin Ursula Karven und Freundin Kim Steeb weisen Wissbegierigen den Weg. Alexandra Pilz wollte mehr über die Reise ins Ich und den Weg dorthin wissen und hat die Ehefrau des Ex-Tennis-Champions Charly Steeb getroffen
Während ich die Treppen der ehemaligen Kleiderfabrik raufsteige, überkommt mich so ein seltsames Gefühl. Ich weiß nicht, ob es nur an den alten, ehrwürdigen Gemäuern des Gebäudes liegt oder ob mir plötzlich bewußt wird, wie ausgebrannt ich bin und mein Körper - allein durch die Umgebung - ein recharge seiner Batterien spürt?
Oben angekommen begrüßt mich Kim Steeb mit einem herzlichen Lachen und einer top Figur. Sofort schießt mir ein Gedanke durch den Kopf: Wenn das vom Yoga kommt, dann werde ich die nächsten sechs Wochen am Stück hier verbringen.
Wir machen es uns auf dem einladenen Sofa der Dachterrasse bequem. Natürlich ist meine erste Frage, ob Kim ihre Traumfigur vom Yoga bekommen hat.
„Durch Yoga kann man wirklich einen wunderschönen Körper bekommen. Yoga fördert nicht nur die äußere sondern auch die innere Schönheit. Aber für mich war das nicht der Grund, warum ich damit angefangen habe. Ich hatte mentale Probleme, so richtig heftige Angstattacken über eineinhalb Jahre. Ursula hat immer zu mir gesagt: Komm Kim, mach Yoga! Ich hab dann angefangen und in dem Moment, wo ich auf der Matte lag, geatmet habe und mein Geist beschäftigt war, da hatte ich plötzlich keine Angst. Das Gefühl angstfrei zu sein war neu für mich. Durch dieses Erlebnis habe ich dann richtig mit Yoga angefangen und mich langsam rausgekämpft, aus dieser fürchterlichen Zeit.“

Offen gesagt bin ich überrascht, dass Yoga eine solche Wirkung haben kann. Ich möchte wissen, was da im Körper geschieht.
„Die linke und rechte Gehirnhälfte sind bei den meisten Menschen unausgeglichen. Da ist entweder die Emotionalität sehr ausgeprägt oder die linke Gehirnhälfte belastet, weil die sehr viel mit dem Denken, mit der Zukunft zu tun hat. Wir sind also immer in irgendeiner Form belastet. Durch die Atmung beim Yoga, das Enspannen und durch die Übungen werden alle Bahnen wieder aktiviert und fließen in einem Fluss. Dadurch gleichen sich beide Gehirnhälften wieder aus. Das kann man ja mit Biofeedback (eine Methode, mit der man durch Messung von Herzschlag, Blutdruck, Hauttemperatur und Hirnströmen unbewusste Körperfunktionen bewusst macht, die Rückschlüsse auf den Zustand des Körpers geben) wunderbar nachmessen. Es geht eigentlich immer so ein bisschen darum, die Lücke zwischen Vergangenheit und Zukunft zu finden. Wir sind gedanklich immer in der Vergangenheit oder in der Zukunft unterwegs und Yoga versucht dir beizubringen, in der Gegenwart zu sein, damit du dich in deiner Mitte, also deinem Bauch, spürst. Was auch immer kommt, ist dann halb so schlimm.“
Momentan kann ich in meinem Bauch zur Mittagszeit – außer einem leichten Hungergefühl und dem darauf folgenden schlechten Gewissen - gar nichts spüren. Wieso empfindet man die Dinge dann leichter?
„Das Problem ist, das die meisten Leute sich nicht mehr entspannen können oder zuviel denken, wenn sie wach sind. Das ist aber notwendig, um seine Batterien wieder aufzutanken. Auch wenn du in nur 10 Minuten von einer Yoga-Stunde merkst: Jetzt hab ich geatmet und mich nur bewegt, dann recharged deine Batterie und dein Körper und Geist zahlt es dir zurück, indem er losläßt. Durch diese besondere Atmung beim Yoga geben wir unserem Körper die Information: Hallo, ich setz mich mit dir in Kontakt. Und dann spürt man plötzlich wieder dieses Urvertrauen, was man in sich selber hat.“

Und wie ist die Idee entstanden, zusammen mit der Schauspielerin Ursula Karven - die ebenso wie Kim auf Mallorca lebt - ein Yoga-Studio in Palma zu eröffen?
„Ursula und ich wollten schon immer was zusammen machen. Wir kennen uns ja jetzt schon seit über 20 Jahren und sind wirklich die besten besten Freundinnen. Als Yoga besonders ihr und natürlich auch mir geholfen hat, wollten wir es hier zusammen praktizieren. Doch das war wirklich schwer, weil es zwar Yoga-Zentren auf Mallorca gab, aber eben nicht so eines, wie Ursula es aus Amerika kannte. Deshalb ist es so gekommen und unser Studio ist wirklich extrem auf L.A. ausgerichtet. Wie die Leute dort zum Yoga kommen ist ganz anders. Da wird geschwitzt und Musik gemacht. Das ist eben der leichteste Einstieg und das wollten wir hier auch anderen ermöglichen.“
Mich beschäftigt eine Frage. Ist Yoga nur was für Mädchen oder auch was für Männer wie Ex-Tenniscrack Charly Steeb?
„Mein Mann kommt zweimal die Woche, wenn er auf Mallorca ist. Er liebt es und ist da ein echtes Vorbild. Er bekommt viel Gegenwind von seinen Freunden. Aber gerade letzte Woche hat ein Freund von Charly - der zwar weiß, das wir das Yoga-Center haben, aber sich dafür noch nie interessiert hat - gesagt: Vielleicht probiere ich es jetzt auch mal aus. Unser Sohn Jeremy, der jetzt acht ist, war gerade gestern hier. Auch er liebt Yoga. Wir haben auch Männer in unseren Kursen, die sehr sportlich und fit sind, aber trotzdem haben sie ein anderes Gefühl nach eineinhalb Stunden Yoga, als nach einem Tennismatch oder dem Joggen. Das ist eben das Schöne am Yoga, es ist wirklich was für jeden.
Und wieviel Überzeugungsarbeitet hat es Kim gekostet, Charly vom Yoga zu begeistern?
„Das war gar nicht nötig. Charly hat gesehen, was Yoga für mich getan hat. Außerdem hat er aber auch gesehen, das in Amerika mittlerweile mehr Männer als Frauen Yoga für sich entdeckt haben. Es ist einfach nur eine Frage der Zeit, bis es auch hier so angekommen ist.“
Mittlerweile ist die Mittagszeit Geschichte, das Hungergefühl vergessen und irgendwie bin ich jetzt auch neugierig auf das etwas andere Gefühl im Bauch. Als ich Kim das sage lacht sie und sagt: „Kein Problem. We will Yoga You!“
YogaYou Palma, C/can Brondo 6, 07001 Palma
www.yogayou.com, info@yogayou.com


