Es geht eine Aura von ihr aus, wenn sie vor dem Puro Beach Club aus ihrem Mini Cooper Cabrio steigt. Diese Frau hat Stil. Pünktlich erscheint Ursula Karven zum Interview. Es darf genau eine Stunde dauern, denn unmittelbar danach sind die Journalisten vom ORF an der Reihe, die auf der weißen Ethno-Terrasse in Cala Estancia bereits ihre Kamera aufbauen.
Was die deutsche Schauspielerin für Interviews so attraktiv macht, ist ihr herzliches und erstaunlich unaffektiertes Wesen. Mit strahlendem Lächeln schlendert sie durch das Lokal. Sie begrüßt die Mitarbeiter der Chill-Out-Lounge, deren heimliche Königin sie ist: Puro-Geschäftsführer Mats Wahlström (44) ist seit knapp einem Jahr ihr neuer Lebensgefährte.
Die 44-jährige Ursula Karven ( „Tatort“, „Metro“, „Hart aber Herzlich“)“ lebt seit 2001 auf Mallorca. Davor lebte sie 12 Jahre lang in den USA. 2008 gaben sie und ihr US-amerikanischer Ehemann James Veres das Ende Ihrer Beziehung bekannt.
- Wie hat sich die Situation nach Ihrer Trennung eingespielt?
Wir geben eine funktionierende Patchwork-Familie ab. Die Kinder leben bei mir auf Mallorca und mein Ex-Mann James kommt oft aus den USA zu Besuch. In den Schulferien fliegen die Jungs zu ihrem Vater nach Los Angeles. Mats ist viel unterwegs. Alle verstehen sich gut – Weihnachten 2008 haben wir gemeinsam gefeiert.
- Wie erleben Sie Mallorca mit Mats?
Ihn zieht es öfter weg von hier als mich. Er lebt ja eigentlich in der Schweiz (Verbier) und besucht gerne andere coole Locations, wie Miami, London, Stockholm. Für mich ist Mallorca ein wichtiger Fixpunkt, weil meine Söhne Christopher und Liam hier zur Schule gehen. Außerdem haben Kim Steeb und ich in Palma ein Yogastudio aufgebaut, das sehr gut läuft.
Trotzdem haben Sie „Yogayou“ vor kurzem an andere Betreiber übergeben.
Stimmt, aber nicht wegen mangelnden Erfolgs. Wir haben dort aktuell 1700 Schüler. Das Studio in der Innenstadt wird unter dem Label „Simply Yoga“ weitergeführt wie bisher. Kim und ich möchten nun in eine neue Richtung gehen.
- Wie sieht das konkret aus?
„Yogayou“ ist ab sofort ein Franchise-Konzept, das auf Mallorca in großem Stil vermarktet wird. Prinzipiell sind alle Hotels auf der Insel – und auch in Deutschland – potenzielle Partner.
- „Yogayou“ im Mardavall?
Ja, zum Beispiel, aber nicht nur dort. Wichtig ist ein ernsthaftes Interesse, um für Nachhaltigkeit beim Training und ein ganzheitliches Konzept zu sorgen
Sie springen auf den Wellness-Zug auf.
Die Zeiten sind vorbei, in denen Leute 100 oder 200 Euro für eine Katze im Sack ausgeben. Sie wollen sich was Gutes tun und überlegen sich genau, wie und wo sie das am Besten bekommen. Ich zögere mittlerweile selbst, 120 Euro für eine Massage hinzulegen, wenn man mir nicht versichern kann, welche Qualifikationen der Massagetherapeut hat. Unsere neue Agentur wird genau das leisten: Qualitätsbescheinigungen für Yoga, Massage, Akupunktur u.v.m.
Sie haben im Frühjahr eine neue DVD in Südafrika produziert.
Seit Juni läuft die PR-Tour für „Yoga del Mar“ (www.yogadelmar.de), das wir mit Universal Music produziert haben. Die zwei DVDs „Yoga del Mar“ und der gleichnamige Chillout-Soundtrack sind seit 12. Juni als Luxus-Digi-Pack überall erhältlich. Die Musik stammt vom irischen Sänger Rea Garvey.
- Wachstum in mitten der Krise – ein Widerspruch?
Krise ist relativ. Es gibt Branchen, die weiterhin wachsen, zum Beispiel im Bereich Umwelttechnologie. Trotzdem sind die Zeiten hart für alle – auch ich kriege das zu spüren.
- Lässt sich eine uralte Weisheit wie Yoga einfach auf „Power Yoga“ herunterbrechen?
Yoga ist eine Philosophie, keine Religion. Vor 7.000 Jahren haben sich die Inder hingestetzt und haben Babys und Naturelemente beobachtet, wie sie sich bewegen. Daraus erstellten sie Sequenzen. Beim Power Yoga werden bestimmte Sequenzen länger gehalten oder man beschleunigt sie durch einen „Sonnengru?“. Es ist egal, ob man vorher „Ommm“ summt oder nicht. Auf die intensive Atmung kommt es an. Man findet durch die Sequenzen zur Basis zurück. Yoga führt zu einem Punkt des Friedens, dorthin, wo die Quelle entspringt. Wenn man es oft genug macht, entsteht eine geistig-seelische Ordnung, die man mitnimmt ins Leben.
- Unterrichten Sie und Kim Steeb noch selbst?
Nicht regelmäßig, weil der Terminplan dafür zu eng ist. Ich leite das Training bei PR-Veranstaltungen, oder bei Yoga als Incentive-Programm von Firmen. Zwischen sechs und zehn Stunden pro Woche praktiziere ich Yoga für mich selbst. Ich brauche Yoga, damit es mir gut geht
- Ist Ihr Leben von Disziplin geprägt?
Ich halte nichts von Dogmen. Ab und zu esse ich noch Hamburger, aber insgesamt selten rotes Fleisch, weil ich mich mit anderer Ernährung wohler fühle. Ein entgifteter Körper reagiert sensibler und man hat mehr Lust auf „grünes
- Ist das Leben in den USA dahin gehend eine Inspiration?
Ich würde vom Leben in Kalifornien sprechen, nicht pauschal vom Leben in den USA. In Malibu zum Beispiel stehen die Leute um 6 Uhr morgens auf und joggen wie wild die Stufen von Santa Monica rauf und runter. Der Rhythmus ist schneller. Die Yoga-Klassen zum Beispiel sind in L.A. früh morgens um 7 Uhr ausgebucht – die machen das alle vor der Arbeit.
- Wo bleibt da das bisschen Faulsein?
Für viele Amerikaner ist es echte Entspannung, nachher um 8.30 Uhr mental und körperlich durchgeknetet im Büro zu sitzen. Aktivität und Lohn für Anstrengung sind für diese Leute die Lebens-Parameter.
- Wie und wo fingen Sie mit Yoga an?
In Los Angeles vor ungefähr 12 Jahren. Yoga griff wie ein Lauffeuer um sich und die Leute, die es machten, sahen blendend aus. Ich hab´ in Malibu in einer Rentnergruppe angefangen, weil ich unter starken Rückenschmerzen litt und musste etwas dagegen tun. Die Pensionäre, die dort übten, waren alle viel besser als ich. Trotzdem war ich begeistert und machte schnell Fortschritte. Nach drei Wochen wechselte ich in eine der „Hollywood-Gruppen“. Das war eine tolle Sache, neben Stars wie Meg Ryan und den Olsen-Zwillingen, die da ganz normal Yoga übten.
- Haben Sie nie von Hollywood geträumt?
Ich habe mir nie angemaßt, es dort zu schaffen. Das ist für Deutsche auf lange Zeit geradezu illusorisch. Die großen Hollywood-Produzenten nehmen, wenn überhaupt, nur die berühmtesten Schauspieler eines Landes unter Vertrag, weil die Namen an der Kinokasse ziehen müssen.
- Wie wichtig ist die Schauspielerei noch für Sie?
In meinem Leben sind die Kinder die absolute Nummer eins. Beruflich ist es die Schauspielerei, trotz Yoga und der Firma „Bellybutton“ (Vertrieb von Babysachen und Schwangerschafts-Bekleidung, Anm. d. Red.). Es ist meine Leidenschaft. Wenn ich länger nicht schauspielern kann, werde ich ungenießbar (lächelt).
- Haben Sie eine klassische Ausbildung?
Eine richtige Schauspielschule konnte ich mir zunächst nicht leisten. Ich fing an, als Model zu arbeiten und finanzierte mir damit die ersten Privatstunden. Danach drehte ich ein paar Sachen und ging später in L.A. und New York noch zum Lee Strasberg Institute, um mich weiterzubilden. Es gibt sehr viele solche „working actors“ in den USA, die zwischendurch immer wieder Kurse belegen.
- Wo wird man Sie demnächst wieder sehen?
Ich habe zuletzt einen tollen Film gedreht, der im Herbst 2009 oder im Frühjahr 2010 gesendet wird. Er handelt von einer Lehrerin, die sich in einen Schüler verliebt – oder umgekehrt. Es ist eine ARD/NDR-Produktion, die polarisieren wird. Der Titel heißt „Stille Post“. Im Herbst wird der Zweiteiler „Der Vulkan“ mit Heiner Lauterbach als Event-Premiere bei RTL gesendet.
Link to: Ursula Karven – Mit Yoga zum Punkt des Friedens
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