“Folgen Sie den pinken Schildern,” war die Wegbeschreibung. Das hörte sich vielversprechend an, war aber nichts im Vergleich zu dem was Jan Edwards in Sa Coma, in der Nähe von Andratx, entdeckte.
Mallorca kann über einen Mangel an Gallerien nicht klagen – allein Palma verfügt über mehr als jede andere spanische Stadt – aber so eine Gallerie wie CCA Andratx hatte ich noch nie gesehen. 2001 eröffneten die charmante Französin Patricia Asbaek und ihr dänischer Ehemann Jacob diese Gallerie, die sich dem Schaffen und der Ausstellung moderner Kunst widmet.
Patricia begrüßt mich herzlich im Café des Kulturzentrums, einem lichtdurchfluteten, weitläufigen Raum (mit WiFi-Zone), mit Terrasse, die einen dramatischen Blick auf die kiefernbewachsenen Berge dahinter bietet. Allein das Café ist einen Besuch wert, doch wenn Sie die Kunst, die Größe des Anwesens und den Einsatz von Patricia und ihrem kleinen Team mit einbeziehen, dann haben
Das Kulturzentrum befindet sich auf einem Grundstück, das das Paar vor etwa 10 Jahren gekauft hat. Die Finca, der Pool und die Tennisplätze verkauften sie (behielten aber den Rest des Grundes) um diesen „Ort der Kunst“ zu finanzieren; ein paar dänische Kunstsammler steuerten den Rest bei. (Diese Partner stiegen vor ein paar Jahren aus, und nun hält eine dänische Bank 50% der Anteile).
“So viele Leute interessieren sich für Sport,” erklärt Patricia. „Mit der Kunst sollte es sich genauso verhalten, doch im Vergleich zu den Sportfanatikern gibt es nur wenig Kunstbegeisterte. Unsere Absicht war es, Leute die sich für Kunst interessieren – deren Leidenschaft Kunst ist – an einem Ort zu des Kunstschaffens zu versammeln.
Auf die Genehmigung musste sie einige Zeit warten. „Wir mussten eine Kompensation bezahlen, mit der Wasser und Straßen für Sa Coma bereitgestellt wurden. Das erste Wort, das ich auf
Das 4.000m2 große Steingebäude, mit einem wunderschönen Hof, entwarf Jacob, wobei ein Architekt aus Palma sich um die praktischen Aspekte des Projektes kümmerte. Für die Bauarbeiten wurden nur einheimische Arbeiter angeheuert.
Doch das CCA Andratx ist weit mehr als nur eine besonders geräumige Gallerie mit einem ansprechenden Café/Restaurant: es gibt einen Museumsshop, der Kunstbücher und Designartikel verkauft, eine Krabbelstube; eine Bücherei mit Büchern zu jedem erdenklichen Kunstthema, und die Kunsthalle (der einzige Bereich, für den man Eintritt bezahlen muss: 5 Euro).
Patricia beschreibt letztere als “eine Art Labor für aufstrebende Kunst, das einige der besten Künstler des letzten Jahrhunderts zeigt.“ Ausstellungen zu bestimmten Themen zeigen innovative Künstler, die in einigen der besten Gallerien der Welt zu sehen waren. Trotz ihrer Erfahrung lädt sie immer Kuratoren – und oft sehr namhafte – ein, diese Ausstellungen zusammen mit ihr zu gestalten. „Das wirklich Schöne daran ist, dass sie alle mit viel Leidenschaft und nicht für viel Geld gearbeitet haben,” sagt sie. Sie haben es aus Freundschaft gemacht, und waren so nett, alle von ihnen.“
Während Patricia in ihrem charmanten Englisch lebhaft über Künstler, Gallerien und Kuratoren spricht, wird ihr ungeheures Kunstverständnis offenbar. „Ich verlor meine Mutter, als ich noch sehr jung war und mein Vater heiratete abermals – eine französische Dame, die eine große Sammlerin von Kunst von vor 1914 war,“ erklärt sie. „Ich habe Kunstwerke angeschaut, seitdem ich sieben war, und im Alter von 13 bis 18 Jahren ging ich wöchentlich in den Louvre um mehr über die großen Werke zu erfahren – Kunst wurde zu meiner Leidenschaft. Für Musik braucht man braucht ein ‘Gehör,’ für Kunst ein ‘Auge’ – ich arbeite ständig an meinem ‘Auge’.“ Als sie 19 war, zog Patricia nach Dänemark.
Zusammen mit ihrem Mann besitzt sie seit 35 Jahren eine Galerie in Kopenhagen (ihr mittlerer Sohn Martin hat ebenfalls eine erfolgreiche Galerie). Daneben führt sie Asbaek Art Consulting, wobei sie ihr Kunstverständnis einsetzt, um für andere passende Kunstwerke zu finden. „Dabei geht es oft um Investitionen, um hohe Geldbeträge.“ In der Vergangenheit hat sie Kunstwerke für 10.000 Euro gekauft und diese vier bis fünf Jahre später für 100.000 Euro verkauft. „Gute Kunst ist immer auch eine Investition.“ Patricias freimütige Äußerungen darüber, wie der Prozess des Kunstschaffens durch die Aussicht auf schnelle Verkäufe und das Große Geld korrumpiert werden kann, und die Bedeutung, die sie der Fähigkeit beimißt, eine „Fälschung“ zu erkennen – wenn ein zeitgenössischer Künstler den Stil eines anderen kopiert, statt selber etwas Neues zu schaffen und die Kunst weiterzuentwickeln, könnten großartige Partygespräche in Gang bringen.
Das wirkliche Kunstschaffen im CCA Andratx bleibt Besuchern weitgehend verborgen. Künstler können eines von vier eigenständigen Studios für einen Zeitraum von vier Wochen mieten, um sich für eine Ausstellung vorzubereiten (entweder hier, oder in einer anderen Galerie), oder auch um einen Auftrag zu erfüllen. Die Studios sind 8 bis 10 Monate im Jahr ausgebucht. „Unsere Welt ist klein. Wenn man eine gute Galerie in Kopenhagen hat, lernt man viele Leute aus anderen Ländern kennen: man trifft sich auf Ausstellungen, man weiß, woran die anderen gerade arbeiten – es ist wie eine Familie. Im Obergeschoß befinden sich die „Studios für Sammler“ – Unterkunft für Künstler, Kunstsammler, Schriftsteller oder Komponisten auf Reisen.
Das CCA Andratx erhält keine Fördermittel und die Zeiten waren nicht immer einfach; gelegentlich musste Patricia schon Werke aus ihrer privaten Kunstsammlung verkaufen: „Wenn Sie vor einem Jahr mit mir gesprochen hätten, hätte ich gejammert, dass wir nicht überleben können – doch nun habe ich das Gefühl, dass es aufwärts geht, auch wenn der allgemeine Trend eher abwärts geht.“
Eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit hat dazu ebenso beigetragen wie die kürzlich getroffene Entscheidung, die Räumlichkeiten als Veranstaltungsort anzubieten. „Früher war es wie eine Kirche,“ sagt Patricia, „doch nun tun wir, was viele Museen tun müssen – sich für Veranstaltungen, Hochzeitsfeiern, Symposien öffnen. Wir nehmen alle Arten von Veranstaltungen – doch über die Kunst, die hier ausgestellt wird, entscheide ich ganz alleine!“
Diesen Sommer gibt es im CCA Andratx Konzerte im Patio, Yoga-Unterricht und donnerstags Abendessen (es gibt einen eigenen Gemüsegarten). Auf dem Gelände wurde eine natürliche Wasserstelle in einen Swimmungpool mit Planschbecken umgewandelt, an dessen Seite Liegestühle aufgereiht sind. Für 18 Euro kann man sich das Kulturzentrum ansehen und anschließend auf dem Gelände spazierengehen, schwimmen, relaxen und ein Picknick in der herrlichen Landschaft genießen. Außerdem wurde der CCA Club gegründet: Freund, Sponsor oder Förderer zu werden
Kunst ist wie Musik oder Bücher – sie bewegt einen, sie bewegt den Geist,“ sagt Patricia. Wenn Sie sich nun bewegt fühlen, diesen einzigartigen Ort zu entdecken, fahren Sie nach Andratx und folgen Sie den pinken Zeichen…
CCA Andratx
C/Estanyera 2
07150 Andratx
Mallorca
Tel 0034 971 137 770
Fax 0034 971 137 691
Opening hours:
Tuesdays to Fridays: 10.30am to 7pm; Saturdays and Sundays: 10.30am to 4pm
During the summer, closing time on Thursdays is 10pm (dinner is served in the Café).
Link to: Eine Leidenschaft für Kunst
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