Experimente mit Form und Material: Wie Outdoor-Möbel zu haltbaren Designobjekten werden.
Auch wenn wir auf Mallorca keinen ewigen Sommer genießen, die Outdoor-Saison beginnt hier doch deutlich früher als in England oder Deutschland. Ergo spielen die Outdoor-Möbel eine größere Rolle. Und die sind mittlerweile so edel gestaltet, dass man sie ohne weiteres auch im Wohnungsinneren einsetzen könnte. Außer neuen Varianten der klassischen Korbmöbel gibt es auch geradezu futuristisch anmutende Modelle. Wir haben uns auf der Insel umgeschaut.
Stylisch sieht er ja aus, aber ist der nicht zu hart, um wirklich bequem zu sein? Keineswegs! Der unorthodoxe, bauhaus-haft anmutende Sessel aus Schaumstoff gibt beim Reinsetzen sanft nach und verleitet zum Hineingleiten. „Man braucht weder Kissen, noch Bezüge und reinigen muss man sie auch nicht“, sagt Justine Knox von Knox Design in Santa Ponça. Die Linie stammt aus dem Hause Westminster und ist im Frühjahr neu auf die Insel gekommen. Justine Knox vertreibt den britischen Hersteller, den es sonst nur bei Harrod’s in London zu kaufen gibt, exklusiv. Das Material nennt sich Soft Foam. Eine andere Variante ist Twitchel, das nicht gewoben wird, sondern als dehnbarer Stoff auf einen Edelstahlrahmen Rahmen gespannt wird.
Überhaupt spielt das Material die zentrale Rolle bei den Outdoor-Möbeln, vor allem bei den Bezügen haben sich die Hersteller unglaublich kreativ und innovativ gezeigt. „Gerade Nobelhersteller setzen neu entwickelte Materialien ein, um sich auch optisch von den Baumarkt-Angeboten abzusetzen“, sagt Justine Knox. Und natürlich um die Preise zu rechtfertigen.
Gute Qualität kann man teilweise auf den ersten Blick erkennen. Einige Qualitäts-Outdoorstoffe sind trotz ihrer Widerstandskraft mittlerweile so fein, dass man aus ihnen einen Sofabezug fürs Wohnzimmer machen könnte. Das hat freilich auch seinen Preis. „Bei diesem Modell ist der Bezug das Teuerste, ein Meter kostet 170 €“, sagt Rüdiger Messerschmidt von Messerschmidt Mediterranes Interieur und zeigt auf eine Couch des italienischen Herstellers Braid. Der Stoff nennt sich Sunbrella, ist absolut dreckabweisend und schützt vor Ausbleichen durch Sonneneinstrahlung. „Dieser Stoff kommt auch bei Textilien für Schiffe zum Einsatz. Der macht Ihnen das Leben leichter, denn Sie brauchen sich um nichts mehr zu kümmern, weder reinigen noch in den Schatten zu stellen”, sagt Messerschmidt.
Zum Einsatz kommt der Stoff auch bei Tuuci-Schirmen. Die edlen Sonnenschirme gibt es in verschiedenen Formen, rechteckig, rund, achteckig, in 40 Farben! Die Halterung kann aus Edelstahl oder pulverbeschichtetem Aluminium sein. Dabei werden die Farbpartikel mit dem Aluminium gemischt, es entsteht eine harte Legierung, in die keine Feuchtigkeit eindringen kann. „Da bekommen sie keine Blasen wie bei reinem Aluminium”, verspricht Rüdiger Messerschmidt. Und es sei garantiert pflegefrei. Bei Edelstahl empfiehlt er hingegen, einmal im Monat eine Politur aufzutragen, denn gerade in der salzhaltigen Luft Mallorcas bekämen sie so genannten Flugrost.
Wer seinen Außenbereich mediterran gestalten will, sollte mit Farbakzenten zurückhaltend sein. Dazu passen die Farben-Trends 2010: „Hell und lebendig bei den Elementen, die Akzente setzen, beispielsweise die Kissen. Dagegen bleiben die Basismöbel weiß, beige und mokka.“, sagt Justine Knox. Was weiter auffällt beim Blick auf die Outdoor-Möbeltrends 2010: „Wir sehen sehr viele modulare Systeme in diesem Jahr, bei denen man die Arm- und Rückenlehnen separat umbauen kann“, erklärt Justine Knox. Aus dem Sofa wird dabei schnell ein Bett oder ein Sessel mit Armlehnen.
Aber auch Einzelstücke haben ihren Reiz. Zu den außergewöhnlichsten Designs gehört sicher das Wave Sun Bed von Royal Botania. Die Hightech-Hängematte mit Sonnenschutz hat im vergangenen Jahr den „Best of the Year“-Preis des „Interior Design Magazines“ erhalten. Der Wellenkamm ist das Dach, dort wo die Welle bricht, also gewissermaßen eine Röhre bildet, haben die Designer Erik Nyberg und Gustav Ström die Sitzfläche angebracht. Die gesamte Wellenkonstrutkion wird von nur einer Säule gehalten – und sieht einfach beeindruckend aus.
Dass Design nicht immer teuer sein muss, beweisen die Möbel von Nardi. Die Stühle sind aus Plastik, dafür aber erstaunlich stabil. Die Stühle gibt es für 89 €, Tische für unter 700 €. Wer nicht unbedingt 4.000 € für ein Sofa ausgeben will, muss auch nicht auf Qualität verzichten. Damit wären wir bei den Klassikern, den Korbmöbeln. Korb gebe es zwar inflationär, dennoch finde man immer wieder besondere Sachen, sagt Simone Scholz von Casa Bruno in Santa Ponça, entscheidend sei die Verarbeitung. Bei Modellen von Point würden zum Beispiel acht bis zehn Meter am Stück verarbeitet. Das sei der Schlüssel für sehr gute Qualität: Wenn die Faser nicht neu angesetzt wird, muss sie auch nicht neu befestigt werden. Das ist zum Beispiel bei Royal Garden der Fall. Der australische Hersteller bietet einen stufenlos verstellbaren Tisch im Korbdesign an. „Der ist von 1,40 bis 2,70 Meter verstellbar“, sagt Simone Scholz, die den australischen Hersteller exklusiv auf Mallorca anbietet.
Der klassische Korb-Look in hoher Qualität, das Ganze in Verbindung mit einem außergewöhnlichen Design: Das ist das Konzept des deutschen Herstellers Dedon. Die rattanähnlichen Fasern heißen Hularo und wurden eigens in der Firmenzentrale in Lüneburg entwickelt. Hergestellt werden sie nach strengen Vorgaben auf den Philippinen. Diese Möbel sind außergewöhnlich widerstandsfähig. „Die Sachen haben ihren Preis, sind aber super-robust. Ich habe kürzlich einen Dedon-Stuhl zu einem Kunden geliefert, der vor fünf Jahren ein Modell gekauft hat. Die beiden Stühle konnte man nicht unterscheiden“, sagt Ulli Schuettke von Lares in Bendinat. Im aktuellen Sommer-Katalog besticht eine Kombination von Tisch und zwei Stühlen, die nicht nur elegant aussieht, sondern auch elegant gelagert werden kann: Zusammengestellt ergibt es einen zylinderförmigen Obelisken – so heißt das Modell dann auch. Den von Frank Ligthart entworfenen Obelisken gibt es in Platin und in Steinoptik. Bei Dedon stehen keine Fasern ab, alles ist glatt, Schrauben sind nicht zu sehen. Auf diesen Sofas kann man sich unbesorgt im Kashmere-Pullover fläzen, da bleibt kein Faden hängen.
Ob Korb, bespannte Alu-Konstruktionen oder Schaumstoff: Die edlen Outdoor-Möbel 2010 müssen sich vor Inneneinrichtungen nicht verstecken. Und: Sie sind absolut wetterbeständig, auch bei salzhaltiger Luft wie auf Mallorca. Der Sommer kann kommen und mit diesen Möbeln hat man auch 2011, 2012… noch etwas davon.
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