Interview mit Veronica Lee


Alle Blicke richten sich auf sie als Veronica Lee auf mich zukommt: soweit man sieht, nur Haare und Beine.

„Hi Süße," begrüßt sie mich mit ihrem unverwechselbaren amerikanischen Akzent. Meiner ersten Einschätzung nach ist sie zwischen Ende 20 und Mitte 30. Eine Mähne ungezähmter Locken umrahmen ein zierliches, intensives Gesicht. Ihre zierliche Figur steckt in modernen hautengen Jeans die in tollen Stiefeln stecken: alles an ihr wirkt exotisch. Und in der Tat sieht man dieser Lady an, dass sie ein Model war, das sich der Bühne zugewandt hat: der Liebling der königlichen Parties, sie ist zusammen mit Michael Bolton, the Gospel Experience und dem Leipziger Philharmonieorchester aufgetreten. Aber ist sie einfach nur eine Tussi mit einer schönen Stimme?

Als wir in unser Gespräch eintauchen, merke ich, dass sie keine doofe Barbie ist, sondern eine intelligente, erfahrene Frau. Als sie berühmt wurde, hatte sie bereits zwei Jahre lang Psychologie und Business Law studiert. Hierauf führt sie zurück, dass sie immer auf dem Teppich geblieben ist, während andere sich im betörenden Sog des Showbusiness verloren. „Ich habe gesehen, was es anrichten kann. Superstars fangen an, Drogen zu nehmen, da sie mit dem Druck, den der Ruhm mit sich bringt, nicht umgehen können. Gleichzeitig gefallen sich ihre Manager dabei, ihr Geld auszugeben. Ich behalte lieber die Kontrolle über meine Karriere. Ich bin mein eigener Manager," betont sie.

 

Und wirklich lässt sich Veronica von niemandem etwas sagen. Als sich ihr Mann nach 16 Ehejahren daneben benahm, bekam er keine zweite Chance. „Ich packte meine Sachen und flog nach Mallorca," erzählt sie mir sachlich. „Jemand hatte mir gesagt, dass es ein toller Ort sei, um sich zu erholen, und ich habe mich sofort in die Insel verliebt. Ich lebe nun seit zwei Jahren hier. Ich brauche die Sonne, um kreativ zu sein, und die Farben hier haben mich dazu inspiriert, wieder zu malen." Das ist nicht nur ein Hobby, meiner Ansicht nach ist Veronica eine ernstzunehmende Künstlerin, die bald ein paar Ausstellungen haben wird.

Als ich später ihre Gemälde sehe, bin ich von der Leidenschaft beeindruckt: die starken Farben und die Tiefe ihrer abstrakteren Arbeiten, insbesondere von "Music is a Feeling". „In den letzten Monaten habe ich wie verrückt gemalt. Oft lasse ich mich mitreißen und arbeite die ganze Nacht lang. Ich male nicht nur ein Bild auf einmal, sondern mehrere Bilder gleichzeitig," versucht sie die künstlerische Kreativität zu beschreiben, die sie antreibt.

Ihre Hände, die sich die ganze Zeit bewegen, um das Gesagte zu unterstreichen, faszinieren mich. Es ist keine wilde Gestikulation, sondern es sind kontrolliertere, elegante theatralische Bewegungen. Lange, feingliedrige Hände mit hübschen Fingern und perfekt manikürten Nägeln. Nicht leuchtenrot, sondern ein weiches rosa. Ich werde mit ihr warm und merke, dass sich hinter dieser frechen, starken, intelligenten Frau ein Mädchen verbirgt. Sie ist vielschichtig: sie singt, produziert, schreibt und malt; daneben entwirft sie Möbel, Gebäude und sogar schillernde Kleider. „Ich sehe mich nicht einfach nur als Künstlerin, ich sehe mich als Unternehmerin."

Als Tochter eines Sängers verbrachte Veronic eine interessante Kindheit zwischen New York, New Jersey und Los Angeles. Mit 17 nahm sie bereits Songs auf, und zusammen mit ihrer Bsnd „La Femme" trat sie als Vorgruppe für Stars wie Grace Jones auf. „Ich wollte immer schon singen und nahm von 14 bis 18 Jahren Gesangsunterricht bei der deutschen Opernsängerin Judy Hagen." Ein bemerkenswerter Zufall. „Damals ahnte ich noch nicht, dass das Schicksal mich nach Deutschland führen würde." Sie war drauf und dran, einen Vertrag mit Sony in England zu unterschreiben, entschloss sich aber dann für Warner Brothers Deutschland. Der Rest ist Geschichte. „Ich war nie darauf aus, ein Superstar zu werden," erzählt sie mir.

Viele Frauen können sich mit Ihrer größten Entscheidung identifizieren: Beruf oder Familie. „Ich entschied mich für die Familie, blieb aber im Musikgeschäft." Sie baute Ihr eigenes Studio in Hamburg auf, wo sie Produktionen für andere Künstler und sich selber vornahm. 1996 schrieb und veröffentlichte sie den „Olympic Song" für die olympischen Spiele in Atlante. Sie gang mit Marius Müller-Westernhagen auf Tour und trat mit Udo Lindenberg und Nena auf. Ihre Leidenschaft für das Theater konnte sie in verschiedenen Musicals wie „Aretha", „Nights on Broadway" und der Hauptrolle in „Hot Stuff" ausleben.

Vor kurzem sang sie auf einer Geburtstagsparty, die von dem holländischen Prinzen und der Prinzess von Holland abgehalten wurde. Die jungen Spanischen Royals flogen eigens dazu nach Holland, und der Herzog und die Herzogin von Palma amüsierten sich sicherlich, dass Veronica eingeflogen wurde, um für sie zu singen. „Es war eine private Party, auf der keine Presse zugegen war. Aber eins kann ich Ihnen versichern: feiern können die Adeligen!" offenbart Veronica. „Sie haben bis um 5 Uhr in der Früh getanzt."

Auch im neuen Jahr stehen schon viele aufregende Projekte bevor. Ab dem 19. März wird sie in Son Amar auftreten. "Ich war überglücklich, als Andreas mich bat, aufzutreten, denn meiner Meinung nach ist das die beste Show auf der Insel." Ganz die Unternehmerin war sie auch sofort für die Herausforderung bereit, dort private Partys zu organisieren. „Es ist so ein schöner Ort, einfach perfekt für Firmenveranstaltungen, Galas, Partys, Hochzeiten und so weiter."

Sie freut sich ebenfalls darauf, bei Robert Winsors Golf Charity Gala am 21. Mai aufzutreten. „Ich werde eins meiner Lieblingsgemälde stiften, um es versteigern zu lassen."

Zum Abschluss frage ich sie noch, was sie an Mallorca am moisten liebt, und was sie stört. „Mir gefällt das Gemeinschaftsgefühl. Wenn ich in meine Stammkneipe gehe, dann wissen sie immer, was ich trinke. Lloyds heben sogar besonders leckeren Honig für mich auf. Aber der Nachteil ist das Gerede der Leute. Aber ich liebe diese schöne Insel, ihre Sonnenuntergänge und Sonnenaufgänge, versteckten Buchten und das kristallklare, türkise Wasser. Ich liebe die Häfen und Restaurants, die älteren Paare die Hand in Hand gehen, und die Leute, die sich hier verlieben. Ich sehe mich um und denke mir, wie schön ist es hier doch. Hier bin ich glücklich."

Text: Loretta Swade
Photos: Thomas Baar

 

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