Insel Golf - Abschlag mit Luft nach oben


Herausforderungen für Mallorcas Vorzeige-Sport

Kaum ein Sport verwöhnt Körper und Seele so sehr wie Golf. Die Spieler wandern durch wunderschöne Grünanlagen und werden dabei eins mit der Natur – auf Mallorca meistens spektakulär komponiert aus Bergen, Wald und Meer. Physische Höchstleistungen müssen nicht erbracht werden, denn es kommt auf die Technik an. Frauen und Männer haben praktisch die gleichen Spielmöglichkeiten. Die Aktivität ist erhebend und gesund – lediglich Menschen mit akuten Rückenbeschwerden sollten Golf meiden.

Die Insel ist eine Premium-Golf-Destination in Europa. Mallorca liegt im inoffiziellen Attraktivitäts-Ranking auf Platz drei hinter der Algarve und der Costa del Sol – was die Zahl der Plätze auf der vorhandenen Fläche angeht sogar auf Platz eins.

Der deutsche Golfexperte Elmar Schreiber zeigt die Zukunftsperspektive auf: „Mallorca hat sich als Golf-Standort in den vergangenen zehn Jahren immens entwickelt. Dank der Konkurrenz der Platzbetreiber untereinander sind Marshall-Service und Runden-Verpflegung mittlerweile Standard. Beim Service ist allerdings noch Platz nach oben.“ Schreiber kreidet vielen Platzbetreibern eine gewisse Bequemlichkeit an, die sich mit der Geschäftsmentalität der Insel deckt: „Man verlässt sich darauf, dass die Leute sowieso kommen.“

In mitten einer Konsumkrise, wie wir sie aktuell erleben, werden kleine aber feine Servicemängel sichtbar. Zum Beispiel: Das tägliche Mähen der Grüns mit Versetzen des Lochs. Schreiber: „Es kann nicht sein, dass auf manchen Plätzen quasi noch die bekleckerte Tischdecke vom Vorabend liegt, weil die Greenkeeper am Samstag und Sonntag frei haben.“ Die Greens seien nun mal die Königsfläche des Platzes, der Ort, an dem sich Spiele entscheiden. Nur vier von 20 öffentlich bespielbaren Golfclubs auf Mallorca mähen und versetzen täglich. Positive Ausnahmen: Alcanada, Son Muntaner und Son Gual.

„Europas sportlich ambitionierte Golfer dulden solche Nachlässigkeiten nicht. Nur mit makellosem Service kann man diese Leute nachhaltig auf die Insel locken“, argumentiert Schreiber. Der Ruf Mallorcas unter Golfern sei verbesserungsbedürftig: „Das Niveau der Golfer, die hierher kommen, ist noch immer so niedrig wie das der Mallorca-Touristen vor 20 Jahren“. Schreiber versteht auch nicht, warum die örtlichen Platzbetreiber nicht die Dienste von Caddys anbieten. „Bei einer bestimmten Kategorie Golfer ist solch ein Service Pflicht; da spielt Geld keine Rolle. Darauf gänzlich zu verzichten ist meiner Meinung nach ein Management-Fehler.“ Als Betreiber einer unabhängigen Platztester-Homepage (www.mallorcagolf.info) hat er den Caddy-Service schon öfter vorgeschlagen – ohne Erfolg: „In der Krise muss man Zeichen setzen, denn mit Anbindung, Sicherheit, Infrastruktur und kultureller Vielfalt hat die Insel eigentlich sehr gute Voraussetzungen.“

Die Golfregion Mallorca ist unter den Top-5 in Europa – das bestätigt Vicente Mulet Traserra, Präsident des lokalen Golfverbands Federación Balear de Golf (FBG). Die FBG kümmert sich um die Anliegen der Golfspieler, die auf den Balearen aktiv sind – 8.000 Verbandsmitglieder sind es in allen Altersklassen. Traserra: „Wir prüfen Versicherungsfragen, veranstalten Turniere und organisieren die Nachwuchsarbeit.“ Über 450 Kinder und Jugendliche trainieren in neun Golfschulen auf Mallorca. „Golf könnte bald olympische Sportart werden und deshalb haben wir schon jetzt eine wichtige Aufgabe bei der Talentsichtung“, so der 54-jährige Arzt Mulet Traserra.

Über den Bau von weiteren Golfanlagen gibt es unterschiedliche Meinungen. Josep Oliver, der Vorsitzende des balearischen Unternehmerverbandes, fordert noch mehr als die bestehenden 22 professionellen Golfanlagen, um den Qualitätstourismus zu forcieren. Generalsekretär Ricardo Moralejo vom Balearischen Golfverband hält das aktuelle Angebot für „vollkommen ausreichend“. Zuwachs vertragen könnten lediglich Menorca und Ibiza, wo es jeweils nur einen Golfplatz gibt. Nach der Eröffnung von Son Quint und Son Gual im Jahr 2007 ist die Entwicklung spürbar verlangsamt. Einer der Gründe dafür ist ein Gesetz, demnach nur noch solche Golfanlagen in Betrieb gehen dürfen, die ohne angegliederte Hotel- und Wohnanlagen auskommen müssen. Dem Bauboom soll Einhalt geboten werden – ein Sieg für die Interessen der Umweltschützer des GOB. Projekte wie Son Bosc (Playa de Muro – soll 2011 in Betrieb gehen) oder Son Baco sind in der Warteschleife. Den einzigen neuen Golfplatz hat im September die Arabella-Starwood-Gruppe eingeweiht: Son Quint Executive Par 3. Der 9-Loch-Kurzplatz ist ein ideales Trainingsgelände und in dieser Form einzigartig auf der Insel.

Ralf Meister, Area Director Sales & Marketing von Betreiber Arabella-Starwood, verspricht sich einen Schub durch das Projekt, das noch die Handschrift des mittlerweile verabschiedeten Golf-Direktors James Arnold trägt. Noch ein Clou für die Golf-Hauptsaison: Ab 1. November 2009 sind bei Übernachtungen im Arabella-Sheraton Golf Hotel Son Vida die Greenfees inklusive – sprich freies Golfen auf vier Plätzen mit Shuttle-Service für jeden Hotelgast. Ein Dumping-Angebot in schwierigen Zeiten? Meister widerspricht: „Golf ist und bleibt ein stabiles Segment. Dieses Angebot kalkulieren wir über das Gesamt-Volumen. Der Gast steht im Mittlelpunkt und kommt in der Summe günstiger weg.“

Gemeinsam mit der US-Hotelkette Marriott Son Antem (2 Plätze), Golf Santa Ponsa (1 von 3 Plätzen öffentlich) und dem spektakulären Alcanada von Sportwagen-Erbe Peter Porsche ist die Schörghuber- bzw. Arabella-Starwood- Gruppe der Big Player in Sachen Golf auf der Insel. Ein Newcomer hat jedoch den Markt gehörig aufgemischt und gilt als neue Qualitäts-Referenz: Son Gual. Der Privatplatz des deutschen Unternehmers Adam Pamer an der Autobahn Palma-Manacor besticht mit einem seidenweichen Rasen aus nordeuropäischen Gräsern, der von 30 (!) Greenkeepern gepflegt und aus einer Osmoseanlage mit Trinkwasser-Qualität bewässert wird. Das Traum-Areal ist bei der Landung auf Mallorca gut vom Flugzeug aus zu erkennen und lässt beim Golfer keine Wünsche offen. Auf dem Gelände gibt es sogar einen eigenen Weinanbau.

Der smarte Schweizer Michel Monnard (www.michelmonnard.com) unterrichtet regelmäβig als Golflehrer in Capdepera und Son Gual: „Exklusivität wird hier groβ geschrieben. Die Krise wird die Besseren von den Schlechteren absondern. Dennoch müssen die Preise auf Mallorca runter. Golf in Spanien ist insgesamt überteuert.“

Son Gual taxiert beachtliche 150 Euro Greenfee. Der erste Schritt in die Ermäβigung ist die „Mallorca Golfcard“ für 229 Euro (www.golfpassmallorca.com). Damit können Gäste von 15.11. bis 31.12. auf fünf Plätzen jeweils ein Greenfee abspielen: Alcanada, Golf Park Mallorca, Son Vida, Marriott und Golf de Andratx. Desweiteren gibt es die Golf Fee Card (www.golffee.com) für 90 Euro, mit der man auf bis zu 12 Plätzen auf Mallorca 20 % Rabatt auf das aktuelle Tages-Greenfee bekommt. Die Krise macht selbst vor dem Luxus-Symbol Golf nicht Halt.

Text: Roland Kroiss - Fotos: archive, Arabella Sheraton Golf & Spa

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