Interview mit Cristina Ros, der Direktorin des Es Baluard Museum Mallorca


Es Baluard Museum Mallorca

 

Die Direktorin von Es Baluard, Palmas städtischem Museum für zeitgenössische Kunst, hat ihre Kritiker zum Schweigen gebracht. Dank ihres Fingerspitzengefühls und ihrer Motivation ist die Kunst im Museum nun zugänglicher und vielfältiger.

Der Amtsantritt dieser Dame im Februar 2008 war alles andere als einfach. Was musste sie sich nicht alles anhören, die neue Direktorin von Mallorcas wichtigstem öffentlichem Museum, dem Es Baluard. Cristina Ros sei “nicht ausreichend qualifiziert” und “total unerfahren” im Kulturmanagement, unkten mehrere internationale und einheimische Galeristen. Die 43-jährige Mallorquinerin hatte vorher noch kein Museum geleitet. Doch sie ist zweifelsfrei vom Fach. Lange Jahre schrieb sie als Kultur-Feuilletonistin unter anderem für Mallorcas wichtigste Tageszeitung “Ultima Hora”. Dies ist das Hauptorgan des Verlags Grupo Serra, dessen Vorsitzender Pedro Serra Initiator und Aufsichtsratsmitglied des Freilichtmuseums ist.

Die 43-jährige Mallorquinerin ist sich auch sechs Monate “danach” dieser Scharmützel bewusst: “Da war viel Neid und Unwissenheit im Spiel. Ich will mich allein an den Ergebnissen messen lassen.” Die können sich bisher sehen lassen. Rund um Es Baluard ist Ruhe eingekehrt. Ros konnte die Zusammenarbeit mit den Galeristen auf den Inseln der Balearen intensivieren und die Kommunikationsstrukturen verbessern.

Es Baluard Museum Mallorca

Die Einheimische Cristina Ros hat durch ihre langjährige Arbeit als Ausstellungskuratorin und Journalistin beste Kontakte. Auch charakterlich überzeugt sie vom ersten Moment an. Sie ist eine unprätentiöse Frau mit kumpelhaftem Charme und legeren Umgangsformen. Wenn sie eine Sonnenbrille trägt, sieht sie umwerfend cool aus. Man könnte man sie für John Lennons Schwester halten. Gerne setzt sie sich während des langen Arbeitstages mal auf die Terrasse des Museums-Cafés mit seiner tollen Aussicht, um gemütlich eine Zigarette zu rauchen. “Drinnen herrscht schließlich Rauchverbot”, merkt sie lächelnd an. Auf das erotische Kunstwerk hinter der Stadtmauer angesprochen, wischt sie schnell alle Interpretations-Zweifel beiseite: “Klar sollen das weibliche Brüste sein”.

Nach einem “unheimlich mühsamen ersten Monat” kann sie auf fünf Monate erfolgreiche Networking-Arbeit zurückblicken: “Mit meinem Team habe ich es geschafft, Es Baluard dynamischer zu machen. Der tägliche Kontakt zu Künstlern und Medien ist fließender geworden. Wir haben die Zusammenarbeit mit anderen Museen auf Mallorca und außerhalb der Insel verstärkt.” Einige neue Ausstellungszyklen sind dazugekommen. Betörend ist die Video-Installation “Echoes” von Francesca Martí in einer Zisterne aus dem 17. Jahrhundert im Bauch des Museums, die noch bis 12. Oktober zu sehen ist. Unter Cristina Ros wurde die Serie “En Privado - In Private” gestartet, eine Fotografieausstellung als Begleitung der Aktion “Palma Foto”. Das Publikum bekommt so Zugang zu ansonsten versteckten Schätzen. Ros: “Das wollen wir jährlich wiederholen. Die Sammelleidenschaft von Privatiers ist für mich eine tragende Säule von Kunst.” Die wichtigste Privatsammlung in Dauerausstellung ist die von Pedro Serra selbst.

Die meisten Privat-Aussteller wollen anonym bleiben. Ein renommierter Name ist Pilar Citoler, die Patronats-Präsidentin des Madrider Museums Reina Sofía. Citoler besitzt ein Sommerhaus auf Mallorca - und genau dort hat Cristina Ros den künstlerischen Bogen gespannt. Noch zu nennen sind zwei Werke von Fernando Meana, der vom Kunstsammler-Verband “Arco” 2007 prämiert wurde. Der restliche Fokus liegt auf mallorquinischen Künstlern, denn “die lokale Identität unseres Museums ist von zentraler Bedeutung”, erklärt Ros.

Das Museum leiht nicht nur Kunst, es darf auch einkaufen. 800,000 Euro stehen Cristina Ros im Jahr 2008 zur Verfügung, um Es Baluard zu bereichern. Ros: “Das heißt nicht, dass ich fröhlich mit Geld um mich werfen kann. Manche Werke wurden in den vergangenen Jahren gekauft und sind noch nicht abbezahlt. 500,000 Euro sind schon verplant.” Was gekauft wird, entscheidet eine Kommission, die vom Vorstand des Es Baluard geleitet wird. Kaufkriterium ist “in erster Linie Qualität und danach die Herkunft des Künstlers”, so Ros.

Es Baluard Museum Mallorca

Schließlich hatte sie bei der Einführungs-Pressekonferenz versprochen, Es Baluard zu einem “Museum für die Kunst der Balearen-Inseln” zu machen. Das Konzept sieht vor, Es Baluard zu einer Art Nationalmuseum für die Inselgruppe zu machen, so wie es der Prado für Spanien ist. Dabei muss der Künstler nicht auf den Balearen geboren sein, sondern “sollte einen besonderen Bezug zu den Inseln haben”, sagt Ros. Die zahlreichen Galerien, die auf Mallorca von Nicht-Spaniern betrieben werden und viele Werke ausländischer Künstler zeigen, werden einbezogen.

Das öffentliche Museum Es Baluard wurde aus einem Topf von 17,5 Millionen Euro Steuergeldern errichtet und im Januar 2004 im Beisein von König Juan Carlos eröffnet. Der Jahresetat beträgt für 2008 insgesamt 3,2 Millionen Euro. Die Summe wird zu gleichen Teilen vom Inselrat (Consell), der Landesregierung (Govern) und Palmas Rathaus (Cort) zur Verfügung gestellt. Das Museum bedient ein öffentliches Interesse, wird aber von einer privaten Kunststiftung - ein wichtiges Vorstandsmitglied ist Pedro Serra - gemanagt. “Das Budget ist gerade mal ausreichend”, sagt Cristiana Ros. Bezahlt werden damit Fixkosten wie Löhne, Instandhaltung, Reparaturen, Kunst-Käufe und -Leihgebühren, Workshops et cetera.

Die Vision der neuen Direktorin ist die, Es Baluard nicht als elitären Zirkel zuzusperren, in den sich Normalbürger nicht vorwagen: “Ich will, dass das Museum ein offener, freundlicher Ort zum Anfassen ist. Café, Restaurant und Terrasse stehen für Bequemlichkeit.” Zu weit in die Zukunft will sie nicht blicken: “Natürlich ist das ein Amt auf Zeit. Nach zwei Jahren wird mein Vertrag verlängert oder eben nicht.”

Es Baluard Museum Mallorca

In diesen zwei, vier oder mehr Jahren soll unter ihrer Ägide ein “Museum für die Bürger” entstehen. Kurzfristig steht das Saison-Highlight der “Nacht der Künste” (“Nit de l´art”) am 18. September auf dem Plan. Dabei wird die Gruppe des mallorquinschen Zirkus “Circ Bover” in Es Baluard auftreten.

Cristina Ros versucht nach Kräften, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu kriegen. Das Reisen zu Repräsentanz- und Anregungszwecken ist ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. Zuletzt war sie öfter im baskischen Vitoria, um die Kooperation mit “Artium” auszubauen und in Málaga im CAC-Museum für zeitgenössische Kunst. Das Museum “Musac” in León ist vorbildlich für sie.

Trotz der faszinierenden globalen Kunstszene genießt sie jede freie Minute auf Mallorca. Die Mutter eines 18-jährigen Sohnes steht jeden Tag früh auf, manchmal schon um 5 oder 6 Uhr, und hält sich bevorzugt auf dem Land auf: “Dort finde ich Ruhe, kann meine Pflanzen pflegen, von Bäumen ernten und meine zwei Hunde sowie meinen Esel versorgen.”

Text: Roland Kroiss
Fotos: Thomas Baar

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